Jahresrückblick Magazin – Bernhard Raab

Der 99-jährige Bernhard Raab: Fast so alt wie die Schiedsrichter-Gruppe

Die Schiedsrichter-Gruppe Bamberg feiert in diesem Jahr ihren 100. Geburtstag. Ein Jubiläum, das ihr ältestes Mitglied Bernhard Raab hoffentlich im Mai 2020 ebenfalls begehen darf. Wir besuchten den lange Jahre für RW Lisberg pfeifenden, ehemaligen Referee. Mit dabei auch einer seiner jungen Nachfolger, der 73 Jahre jüngere Simon Winkler, Aufsteiger in die Landesliga und bereits stellvertretender Obmann.

Wenn Bernhard Raab neben Obmann Günther Reitzner, der das Mitglied regelmäßig besucht, auf der sonnigen Terrasse des Walsdorfer Seniorenzentrums sitzt und aus seiner Anfangszeit als Schiedsrichter erzählt, kann Simon Winkler, der immerhin auch schon seit 2008 Spiele leitet, manchmal nur erstaunt mit dem Kopf schütteln. „Zu meinen ersten Einsätzen in der näheren Umgebung bin ich zu Fuß gelaufen, später dann mit dem Fahrrad gefahren, dann hatte ich ein Moped – und erst, als ich meinen VW bekam, konnte ich auch weiter entfernte Spiele leiten.“, blickt der fast 100-Jährige Bernhard Raab auf seine Anfänge an der Pfeife zurück. „Als ich dann ein Auto hatte, habe ich an den Spieltagen zwei, drei Schiri-Kollegen eingesammelt, habe sie bei ihren Spielen abgesetzt, habe meines gepfiffen – und heimwärts dann wieder alle eingesammelt.“

 

Bernhard Raab streifte für das Foto nach langer Zeit mal wieder ein Schiri-Trikot über. Als er es anhatte, sagte er: „Ich fühle mich wie neugeboren!“ Rechts neben ihm Simon Winkler, stellvertretender Obmann der Gruppe Bamberg.

 

Nur einen einzigen Spielabbruch

Raab spielte früher selbst aktiv für Priesendorf. „Allerdings sprang mir bei jedem Pressschlag das Knie raus – und ständig zur ‚Einrichtera‘ zu gehen, wurde mir dann zu viel.“ Später baute er mit seiner bereits verstorbenen Frau ein Haus in Lisberg, beim dortigen SV RW ist er seit seinem 27. Lebensjahr Mitglied. Damals wie heute herrschte Schiri-Mangel und die Gruppe schrieb die Vereine an. Auf den Aufruf „Wir brauchen Schiedsrichter!“ hat sich „bei uns im Verein niemand gemeldet. Und bevor wir eine Strafe zahlen mussten, habe ich mir ein Fahrrad geliehen, bin nach Bamberg zu einer Sitzung in den Polarbär gefahren und habe die Prüfung abgelegt.“, erklärt er, wie er zur Schiedsrichterei gekommen ist. „25 Jahre lang habe ich dann gepfiffen und es hat mir immer Spaß gemacht. Egal, ob es bei den vielen Derbys in der Nachbarschaft war oder in Unterfranken, wo ich oft im Einsatz gewesen bin. Fünf Obmänner hatte ich in meiner Zeit, der erste war der Wagner aus Nürnberg.“, so Raab, der nur einen einzigen Abbruch in dieser ganzen Zeit hatte. Der im gleichen Jahr wie Fritz Walter oder Papst Johannes Paul II. geborene Bernhard Raab erinnert sich „noch wie heute: Es war das Spiel Strullendorf gegen Pettstadt, ein Spieler war mit einem Pfiff von mir scheinbar nicht zufrieden, steht auf – und haut mich um! “ Aber meistens „hatte ich keinerlei Schwierigkeiten.“, erklärt das Ehrenmitglied der Bamberger Schiedsrichter-Gruppe.

„Wir mussten alles mit der Goschen regeln…“

Bernhard Raab erinnert sich noch an erstaunlich viele Begegnungen, die er gepfiffen hat. In einer Zeit, in der „sich der Schiri nach dem Spiel in einem Hinterhof gemeinsam mit den Spielern aus einer Wanne heraus abgewaschen“ hat. „Heute ist ja alles modern, jeder Verein hat sein Sportheim mit eigener Schiri-Kabine.“ Auch das Regelwerk ist mit dem heutigen kaum mehr zu vergleichen: „Zu meiner Anfangszeit gab es gar keine Roten Karten… Wir mussten alles mit der Goschen regeln!“, gibt er grinsend und in breitem Fränkisch Auskunft über die Umstände zu seiner Zeit. „Und als es sie gab, habe ich sie kaum gebraucht, ich habe meine Spiele auch so ganz gut durchgebracht.“, erklärt der Schiedsrichter, der Begegnungen bis hoch in die alte A-Klasse leitete. Und zwar zuverlässig, mit einer wohltuenden Ruhe – und so lange, „bis der Arzt augrund gesundheitlicher Probleme zu mir sagte: Herr Raab, hören Sie auf zu pfeifen – sonst fallen sie mal auf dem Platz tot um…“ Weil er dem ärztlichen Rat folgte, kam es so weit nicht. Fest steht mittlerweile nämlich, dass Bernhard Raab nicht nur den Papst und Fritz Walter, sondern auch seinen damaligen Arzt, wahrscheinlich viele der Spieler, deren Partien er leitete und ganz sicher die meisten seiner Altersgenossen deutlich überlebt hat. 36 Jahre genießt er nun schon seinen Ruhestand und schaute sich bis zu seinem altersbedingten Umzug regelmäßig die Heimspiele der Lisberger an.

„Wichtig ist, dass es in der Platte passt!“, freut sich der langjährige Betriebgärtner der ERBA und spätere Bosch-Mitarbeiter darüber, dass er auch im Alter von fast 100 Jahren geistig fit geblieben ist. Täglich liest er den Fränkischen Tag und informiert sich im Steigerwald Kurier über das Geschehen außerhalb des Seniorenzentrums. Darüber hinaus dreht er jeden Tag seine Runden, „damit die Füße nicht einschlafen!“ Dass er dabei seit Kurzem – wenn anfangs auch widerwillig – eine Gehhilfe benötigt, hat er akzeptiert. „Die Ohren machen leider nicht mehr so mit, doch ansonsten bin ich ganz zufrieden!“ Aber, wie jeder Schiedsrichter weiß, den einen oder anderen Satz zu überhören, ist manchmal gar nicht so schlecht…

 

Quelle: anpfiff.info

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