Josef Saal wird 90 Jahre

Der 90-jährige Josef Saal: Mehrere tausend Spiele gepfiffen

 

Wer das gesegnete Alter von 90 Jahren erreichen darf, noch dazu bei guter Gesundheit, dem kann man nur von Herzen gratulieren. Josef Saal hat das geschafft. Er ist damit natürlich eines der ältesten Mitglieder der Schiedsrichter-Gruppe Bamberg. Bis Mitte Siebzig leitete er Spiele für den SV Merkendorf, insgesamt waren es mehrere tausend. Wir besuchten ihn und blickten mit ihm zurück.

 

Wie viele Spiele es genau waren? „Keine Ahnung, das habe ich nicht gezählt und das ist mir auch gar nicht so wichtig.“, sagt der Jubilar, der 50 Jahre lang oft drei Mal an einem Wochenende auf dem Feld stand. „Obwohl meine Frau manchmal – zu Recht – schimpfte, dass ich Samstag und Sonntag nur unterwegs sei!“, grinst er. Trotzdem akzeptierte sie das Pflichtbewusstsein und die Zuverlässigkeit ihres Mannes, beide sind noch heute glücklich verheiratet, haben zwei Kinder und wohnen in Drosendorf.
Unterwegs war Josef Saal in seinen ersten Jahren als Schiedsrichter übrigens fast ausnahmslos mit dem Fahrrad, wodurch die Einsätze nicht nur zeitraubend, sondern auch kräftezehrend waren. Unvorstellbar heute: „Wenn ich tags zuvor schon gepfiffen hatte, dann am Sonntagfrüh in Gundelsheim und am Nachmittag in Stadelhofen – dann war es nicht selten der Fall, dass ich am Abend zuhause Krämpfe bekam…“. Kein Wunder, wenn man mit dem Fahrrad erst einmal viele Höhenmeter überwinden – und dann immer auf Ballhöhe bleiben muss.

Jubilar Josef Saal (re.), nach Josef Waldl das zweitälteste Mitglied der SR-Gruppe Bamberg, mit seinem Obmann Günther Reitzner.

Geboren ist Josef Saal 1930, aufgewachsen ist er in Merkendorf! Für den dortigen SV stand er zwar nie als Fußballer auf dem Feld, war aber bei der Wiedergründung 1950 dabei. „Damit der Verein keine Strafe zahlen musste, weil er zu wenig Schiedsrichter stellt, habe ich mich zum Kurs angemeldet.“, erklärt er seine Anfangsmotivation. Und leitete von da an ununterbrochen über 50 Jahre lang Fußballspiele. 2014 wurde er von der Schiedsrichter-Gruppe Bamberg für 60-jährige Mitgliedschaft geehrt. 

Geflogen und geflogen…

„Ja, natürlich habe ich auch schon mal Rote Karten verteilen müssen. Aber nur, wenn es wirklich nicht mehr anders ging. Ich glaube, ich war da manchmal zu weich.“, gibt Josef Saal zu. „In der Hinsicht wollte ich nie päpstlicher sein als der Papst, aber gerade in Derbys blieb es manchmal nicht aus, dass man einfach durchgreifen musste – und dann flog schon mal der eine oder andere Spieler.“ Vor allem ist er aber selbst geflogen. Aber nicht vom Platz, denn aktiv spielte er selbst nie Fußball. Aber: Er war begeisterter Segelflieger und machte seinen Flugschein an der Fliegerschule Feuerstein. „Das hat mir großen Spaß gemacht! Wobei ich am Anfang schon saumäßig Angst hatte. Bei meinem ersten Flug habe ich mir gedacht: ‚Au weh, heut‘ ist dein letzter Tag..‘!“, gibt das Ehrenmitglied der Bamberger Gruppe zu. Ähnliche Gefühle hatte er als Schiedsrichter nie. „Ich bin meistens gut durchgekommen.“, so der in Drosendorf wohnhafte Merkendorfer. „Handgreiflichkeiten oder ähnliches habe ich nie erlebt. Manchmal ist es natürlich passiert, dass dir die Zuschauer nach Abpfiff ‚Du schwarzer Zigeuner‘ hinterher gerufen haben. Aber damit konnte ich leben.“

Josef Saal darf bei guter Gesundheit seinen 90. Geburtstag begehen. Über 50 Jahre lang leitete er aktiv Spiele auf Kreisebene für den SV Merkendorf. Insgesamt sind es mehrere tausend Partien, weil er nämlich an den Wochenenden lange Zeit meist drei Mal im Einsatz war.

Dem Dorffriseur Geld gespart…

Auch damit, dass ihm einmal die Spieler eines Vereins eine lange Nachspielzeit übel genommen haben, in der dann noch der Ausgleich fiel. „Ich habe mich noch gewundert, dass die sich so lautstark und lange bei mir beschwert haben. Schließlich hatten sie vorher ordentlich auf Zeit gespielt. Nach dem Spiel habe ich dann erfahren, dass der Dorffriseur den Spielern bei einem Derbysieg ein Jahr lang kostenloses Haareschneiden versprochen hatte…!“, erzählt Josef Saal von einer etwas haarigen Siegprämie. Und einmal musste er eine Stellungnahme abgeben, weil beide beteiligten Vereine im Verdacht standen, eine Partie verschoben zu haben. „Natürlich habe ich mich auch gewundert, dass die komplett überlegene Mannschaft, die zur Halbzeit 4:0 führt, nach der Pause offen wie ein Scheunentor ist – und am Ende noch 5:4 verliert. Aber was soll ich da als Schiri machen?!“, fragte er sich schon damals. Insgesamt überwiegen beim gelernten Modellschreiner jedenfalls „absolut die schönen und positiven Erinnerungen.“

 

„… sonst stehst du ja noch mit 80 auf dem Platz“

Höher als Kreisebene kam Josef Saal als Schiedsrichter nicht. „Das war mir aber auch nicht so wichtig. Den Anspruch, so hoch wie möglich zu pfeifen, den hatte ich nie.“, gibt er zu. Eben mehr Pflichtbewusstsein als Leidenschaft. Und dieses Pflichtbewusstsein gegenüber seinem Heimatverein, der Gruppe und dem Amateurfußball führte dazu, dass er bis Mitte Siebzig auf dem Feld stand. Ohne große Ausfallzeiten stand er über Jahrzehnte Gewehr bei Fuß. So war er also ein Schiedsrichter, der sich zwar nicht durch seine hohe Qualifikation einen Namen gemacht hat, dafür aber durch seine Treue und seine große, jahrzehntelange Zuverlässigkeit! Und das ist mindestens genauso viel wert. „An mein letztes Spiel kann ich mich gar nicht erinnern. Es war ein Spiel wie jedes andere auch für mich. Nur, dass es halt eben das letzte war – weil ich mir danach gedacht habe: Jetzt ist es auch mal genug, sonst stehst du ja mit 80 noch auf dem Platz.“ 

Mit 80 stand er also nicht mehr auf dem Platz, mit 90 nur noch selten daneben. Denn mittlerweile schaut er nur noch selten bei seinem SV Merkendorf zu. Aber nicht, weil es ihn nicht interessieren würde, im Gegenteil: „Ich bin da ein komischer Kerl. Wenn ich vorher sicher wüsste, dass sie gewinnen, würde ich immer zuschauen.“, erklärt er, dass ihm Niederlagen seines Heimatvereins durchaus zusetzen. „Momentan hat das Verletzungspech beim SVM aber halt leider ganz schön zugeschlagen.“, ist er dennoch informiert und vor allem interessiert.

 

„Früher ging es heiß her bei den Lehrabenden“ 

Weil er selbst, vor allem in den Abendstunden, nicht mehr gerne Auto fährt und dazu ungern auf die Hilfe von anderen angewiesen ist, „gehe ich auch nicht mehr auf die Pflichtlehrabende. Zumal die auch nicht mehr so interessant sind, wie früher. Da ging es manchmal schon heiß her!“, lacht er. So genießt Josef Saal mittlerweile also seinen Lebensabend. „Im Garten gibt es immer etwas zu tun und auch mit dem Fahrrad bin ich noch viel unterwegs.“ Nur halt nicht mehr drei Mal am Wochenende zu Fußballplätzen im Landkreis – nach Fahrten in die unmittelbare Nachbarschaft bleiben zumindest dann die Krämpfe aus. Auch darüber hinaus kann er im Hinblick auf die Gesundheit nicht klagen: „Ich habe halt die altersbedingt typischen Wehwehchen. Aber ansonsten bin ich zufrieden. In meinem Alter muss man froh sein, wenn man früh wieder aufwacht – und dann auch noch selbst aus dem Bett kommt.“

Es ist dem sympathischen und zurückhaltenden Ehrenmitglied der SR-Gruppe Bamberg zu wünschen, dass es auch noch lange so bleibt!

Quelle: anpfiff.info

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